Stand 16-05-2018

Kapitel 7 Prozessvalidierung

7.B Validierung als Schlüsselelement im QM-System

Prozessvalidierung wird nach neuerem Verständnis nicht mehr als isolierte, zeitlich scharf abzugrenzende Maßnahme betrachtet, sondern als Gesamtkonzept, welches ein Produkt über den gesamten Lebenszyklus begleitet: beginnend mit der Prozessentwicklung werden die notwendigen Daten und Prozesskenntnisse gesammelt, die die Voraussetzung für die Traditionelle Prozessvalidierung und damit zusammenhängende Qualitätsrisikoanalysen bilden. Auch nach der Markteinführung kann eine Prozessvalidierung nicht als abgeschlossen betrachtet werden: solange das Produkt für den Markt gefertigt wird, ist eine fortlaufende Verifizierung erforderlich. Dabei wird geprüft, ob der Produktionsprozess zuverlässig innerhalb der vorgegebenen Bandbreiten verläuft. Für diese Überprüfung genügt in vielen Fällen eine systematische Auswertung der vorhandenen Daten aus Routineproduktion und Analytik. Für Produkte, die nach dem Quality by Design (QbD)-Konzept entwickelt und zugelassen wurden, kann anstelle der Traditionellen Validierung eine Kontinuierliche Prozessverifizierung durchgeführt werden. Das bedeutet, dass Produktqualität und Produktionsprozess fortlaufend mit Hilfe einer im Zulassungsdossier beschriebenen und risikobasiert begründeten Steuerungsstrategie überwacht werden. Das FDA-Konzept sieht die Prozessvalidierung ebenfalls als übergreifende Qualitätssicherungsmaßnahme, welche ein Produkt bzw. einen Prozess während des gesamten Lebenszyklus vom Prozessdesign bis zur Marktrücknahme begleitet. Die Begrifflichkeiten unterscheiden sich jedoch teilweise von den Vorgaben in der EU. (Dr. Christine Oechslein)

7.C Organisation, Planung und Durchführung

Die Verantwortung für die ordnungsgemäße Prozessvalidierung liegt bei der Leitung der Herstellung, auch wenn die Durchführung innerhalb eines Unternehmens delegiert oder nach außen vergeben wird. Die Verteilung der Aufgaben und die Verantwortlichkeiten müssen schriftlich festgelegt werden. Die Planung und praktische Durchführung von Validierungsprojekten wird zumeist im Team erledigt, das von einem Validierungskoordinator geleitet wird. Bei der Zusammensetzung des Validierungsteams ist darauf zu achten, dass alle involvierten Fachabteilungen vertreten sind.

Validierungskonzepte für alle neuen Produkte, Herstellungsverfahren oder größere Prozessänderungen müssen prospektiven Charakter haben. Für Zulassungsdossiers in Europa sind bei einer Traditionellen Validierung meist Validierungsergebnisse von mindestens drei aufeinander folgenden, erfolgreichen Validierungschargen im Produktionsmaßstab erforderlich. Eine Begleitende (concurrent) Validierung, bei der die Validierungschargen bei Einhaltung der Spezifikationen bereits zum Verkauf freigegeben werden können, ist nur noch unter ganz besonderen Umständen möglich. Sofern ein Prozess nach dem QbD-Ansatz entwickelt wurde, kann eine Kontinuierliche Prozessverifizierung (CPV) als Alternative zur Traditionellen Validierung gewählt werden.

Bevor die Validierung erfolgen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, z. B. die Qualifizierung der verwendeten Anlagen und die Validierung der eingesetzten Analysenmethoden. Der individuelle Validierungsbedarf für ein Produkt wird mit Hilfe von Qualitätsrisikoanalysen ermittelt. Dabei ist zu begründen, welche Prozessschritte als kritisch betrachtet werden müssen.

Prozessvalidierungen bzw. Verifizierungen begleiten die Routineproduktion eines Produktes bis zur Marktrücknahme, da sich im Produktionsalltag ständig Änderungen ergeben können. Bekannte Änderungen müssen hinsichtlich ihres Einflusses auf den Validierungsstatus bewertet werden, ggf. müssen Teile der Validierung wiederholt werden. Darüber hinaus müssen sämtliche validierte Prozesse regelmäßig überprüft werden, ob sie noch als validiert zu betrachten sind (Ongoing Process Verification). Dazu erfolgt eine systematische Auswertung der vorhandenen Daten aus Routineproduktion und Analytik. Für besonders kritische Prozessschritte (z. B. sterile und aseptische) müssen allerdings regelmäßig Revalidierungschargen angefertigt werden. (Dr. Christine Oechslein)

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