Stand 09-11-2018

Kapitel 5 Pharmawasser

5.D Qualifizierung von Wassersystemen

Die Qualifizierung einer Wasseraufbereitungsanlage ist ein umfangreiches und zeitintensives Projekt. Im Anschluss an die Design-, Installations- und Funktionsqualifizierung werden im Rahmen der Leistungsqualifizierung Daten über den Zeitraum von einem Jahr erhoben. Etwa 8 Wochen nach Beginn der Leistungsqualifizierung kann das Wasser für die pharmazeutische Produktion freigegeben werden, sofern die Werte den vorher definierten Anforderungen entsprechen. Basis für alle Qualifizierungstests ist eine umfangreiche und aussagekräftige Risikoanalyse, in der auch die Akzeptanzkriterien für die Tests beschrieben werden.

Wie üblich bei Qualifizierungen wird in jeder Phase vor der Durchführung der Tests ein Qualifizierungsplan erstellt und freigegeben. Die Tests werden auf Prüfprotokollen dokumentiert. Nach Durchführung der Tests wird je Phase ein Bericht erstellt und die Prüfprotokolle angehängt. Der Bericht wird bewertet und genehmigt. Bei erfolgreichem Abschluss der jeweiligen Qualifizierungsphase kann die nächste Phase begonnen werden. Eventuelle Abweichungen müssen geprüft werden.

Für die Leistungsqualifizierung (PQ) werden Warn- und Aktionslimits aufgesetzt. Deren Ermittlung kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Weiterhin essentiell für die Leistungsqualifizierung ist die Art und Häufigkeit des Probenzugs. Zur Durchführung muss man sich dazu an der Art der Anwendung (z. B. Entnahme mit Schlauch) orientieren und beim Probenzug die Verhaltensweisen bei der Entnahme möglichst nachahmen. Das Kapitel enthält Dokumentationsbeispiele zu allen im Rahmen der Qualifizierung erforderlichen Dokumenten. (Fritz Röder)

Kapitel 11 Produktion

Einwaage und Inprozesskontrolle sind zwei wesentliche Elemente der Arzneimittelherstellung. Mit der Überarbeitung dieser beiden Kapitel ist die Aktualisierung des Kapitels Produktion nun vollständig abgeschlossen.

11.B Einwaage

Der Einwaageprozess ist eine sensible Stelle in der Prozesskette, denn Fehler, die hier gemacht werden, können später nicht mehr korrigiert werden. Bei der Einwaage stehen zwei Aspekte im Vordergrund:

Die Richtigkeit der Einwaage (qualitativ und quantitativ)

Die Vermeidung von (Kreuz-)kontaminationen und Verwechslungen.

Es gilt, die mit der Einwaage verbundenen Risiken durch bauliche und organisatorische Vorgaben zu minimieren.

Für die Einwaage können unterschiedliche Prinzipien zum Einsatz kommen, die im Detail vorgestellt und erläutert werden:

additive oder individuelle Einwaage

rohstoffbezogene oder auftragsbezogene Einwaage

zentrale oder dezentrale Einwaage

manuelle oder automatisierte Einwaage

vertikaler oder horizontaler Materialfluss

IT-gestützte, validierte Systeme bieten ein hohes Maß an Sicherheit: Nur die in der Herstellungsanweisung eindeutig spezifizierten Rohstoffe und nur Gebinde im freigegebenen Zustand können verwogen werden.

Die räumlichen Bereiche der Einwaage unterliegen speziellen Anforderungen, die im Rahmen der Qualifizierung geprüft werden müssen. Dazu zählen Lage und Ausgestaltung, sowie insbesondere die raumlufttechnischen Maßnahmen zur Verhinderung von Emissionen und Kontaminationen.

Bei der Auswahl von Waagen sind technische Aspekte wie Auflösung, Präzision und Wägebereich genauso zu beachten wie spezielle Konstruktionsmerkmale. Der Aufstellungsort sollte vor Zugluft, Sonneneinstrahlung und Erschütterungen geschützt sein. Die korrekte Waagenfunktion muss regelmäßig geprüft und dokumentiert werden. Dabei unterscheidet man zwischen einer täglichen Prüfung des Wägebereichs und einer z. B. monatlichen Kalibrierung des gesamten Arbeitsbereichs.

Der Einwaageprozess muss von der Zulieferung der Ausgangsstoffe bis zur Bereitstellung für die Produktion schriftlich fixiert sein. Jeder Einwaageprozess wird protokolliert, damit die korrekte Durchführung jederzeit nachvollziehbar ist. (Dr. Christian Gausepohl)

11.D Inprozesskontrolle

Die Inprozesskontrolle hat neben den produktionssteuernden auch qualitätssichernde Funktionen. Abhängig von der jeweiligen Betriebsstruktur kann das Personal der Inprozesskontroll-Gruppe der Produktion oder Qualitätskontrolle zugeordnet sein. In jedem Fall muss die Unabhängigkeit vom Produktionsprozess gewährleistet sein. Die Methoden der Inprozesskontrolle, die Bestandteil der Herstellungs- oder Verpackungsvorschrift sind, werden unter Aufsicht der Qualitätskontrolle erstellt und validiert. Die Durchführung der Prüfungen kann zentral oder dezentral erfolgen.

Man unterscheidet zwischen Freigabeprüfungen für Anlagen und Prozesse, prozessbegleitenden Prüfungen und Prüfungen am Ende eines Produktionsschritts. Eine wichtige Rolle kommt dem Musterzug zu. Dieser muss in allen Einzelheiten festgelegt sein und dokumentiert werden. Ergebnisse von Inprozesskontrollen werden entweder vor Weiterverarbeitung als Entscheidungskriterium abgewartet, oder nachfolgend in die Bewertung der Produktqualität einbezogen.

Neben den eigentlichen Spezifikationsgrenzen werden bei vielen Parametern auch Warn- und Aktionsgrenzen festgelegt. Die Durchführung der Prüfungen und die erhaltenen Ergebnisse müssen in geeigneter Weise dokumentiert werden. Die statistische Auswertung und periodische Überprüfung von Inprozesskontroll-Daten hilft bei der Bewertung der Qualitätslage von Prozessen und Produkten. Bei validierten, stabilen Prozessen kann der Umfang der Freigabeanalytik bei ausreichender Inprozesskontrolle ggf. reduziert werden.
(Dr. Christian Gausepohl)

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